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« Ich weiss, ich weiss… »

 
 

…ich sollte mehr schreiben. Aber hier passiert soviel, mir fehlt es einfach an Zeit. Am Donnerstag zum Beispiel. Ich versuchte gerade den Mädchen die Hausaufgaben zu erklären, als Bondi (der Mann der Chefin) in die Klasse gestürmt kam und verkündete, dass sich ein Waldbrand näherte. So rannten wir alle mit etlichen Kübeln Wasser zum besagten Feldstück. Außerdem brachen wir Zweige ab, tauchten diese ins Wasser und versuchten so das Feuer zu löschen. Nach ca. einer Stunde - es kam mir vor wie ein ganzer Tag - war das Feuer dann endlich gelöscht.
Mein Rock war kaputt, mein Gesicht knallrot und mein ganzer Körper war voller Asche! Die Englischstunde war natürlich gelaufen…

Am Wochenende sind wir dann nach Chochis gefahren. Das ist ein kleines Dorf und ca. 7 Stunden von San Ignacio entfernt. Unser Gefährt war am ehesten mit einem Heuwagen zu vergleichen - nur aus Holz, welches sehr morsch und nicht sehr stabil aussah. Das Dach bestand aus 3 Bretter, die längs angenagelt waren…
So fuhren wir 7 Stunden über Stock und Stein. Die Mädchen waren aber guter Dinge und so sangen wir die ganze Fahrt… Dann, nicht mal eine Stunde vor Chochis blieb der Laster stehen.
Nach einigen Diskussionen stand fest, dass er auch nicht mehr losfahren wird. Naja, ein paar sind dann losgelaufen während die anderen im Laster blieben. Ich natürlich auch, da ich verstanden habe, dass er gleich wieder losfahren wird. So kam es, dass wir in dem Laster übernachten mussten. So habe ich halb sitzend und halb liegend ausgeharrt bis zum frühen Morgen. Mit den ersten Sonnenstrahlen fuhren dann auch wir endlich wieder los. In nicht einmal einer halben Stunde waren wir in Chochis. Die, die zu Fuß gingen, holten wir ein. Der Fußmarsch dauerte nämlich volle 6 Stunden!
Den Tag in Chochis war ganz locker. Wir gingen baden und sahen uns ein bisschen in dem Dorf um. Aber da ich mir unterwegs den Magen verdorben hatte war ich ziemlich kaputt…

Die Menschen in Chochis leben sehr einfach. Richtige Häuser gibt es keine, die meisten bestehen aus Lehm, das Klo ist nur ein Loch in der Erde und die Dusche ist nur ein Schlauch, welchen man in eine Dose steckt, welche Löcher hat. Tja, so ist das!

Am Abend mussten wir dann auf einen Berg wandern - 2 Stunden bergauf. Ich kam nur sehr langsam voran. Zu allem Überfluss hat es noch so extrem gewindet! Dazu kam, dass jemand einen Feuerwerkskörper in die Luft geschossen hat und dieser im Wald Feuer fing. So gingen wir - rechts das Feuer und links der Abgrund - immer schön bergauf. Als wir endlich oben ankamen, wollte ich am Liebsten gleich schlafen gehen. Aber das war leider nicht möglich. Denn jetzt fing der Hauptakt erst an.
Schüler und Schülerinnen aus der ganzen Umgebung waren gekommen um zu tanzen! Die Musik war - wie schon erwähnt - sehr laut aber schön! Ich hab es jedoch nicht allzu lange ausgehalten und hab mir einen Platz für meinen Schlafsack gesucht.

Da die Windböen so stark wurden, war an Schlaf nicht zu denken. Die ganze Zeit peitschte mir der Sand ins Gesicht und um die Ohren! So musste ich wieder Geduld beweisen und hoffte, dass es schnell Morgen werden würde. Um 6:00 Uhr sind wir dann wieder runter gelaufen. Nach dem Mittagessen ging es dann wieder nach Hause. Diesmal - zum Glück - ohne Zwischenfälle. Um 20:00 Uhr erreichten wir dann wieder San Ignacio. Die Strecke von der Plaza zu unserer Schule kam mir wirklich ewig vor.
Nach einer ausgiebigen Dusche, kroch ich in mein Bett und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf..